Rückblick 2: Von KI bis Zukunfts-Antrieb beim Praxis Forum
Antje Efkes & Team | 12. Dezember 2025

Rückblick 2: Von KI bis Zukunfts-Antrieb beim Praxis Forum

Zahlreiche spannende Programmpunkte zu Branchentrends und Entwicklungen sorgten beim SPEDION Praxis Forum 2025 im November in Frankfurt für einen lebhaften Austausch unter den Teilnehmern. Neben einem Key-Note-Vortrag von Ansorge-Geschäftsführer Benedikt Roßmann regte eine Diskussion von Logistikfachleuten zum Thema alternative Antriebe zum Nachdenken an.

Keynote: „Quo vadis Transportlogistik?“
Einen Blick in die Zukunft warf zum Auftakt des SPEDION Praxis Forums Benedikt Roßmann. In seiner ebenso spannenden wie fundierten Keynote „Quo vadis Transportlogistik?“ beleuchtete der Geschäftsführer der Ansorge Logistik ausgehend vom Thema Digitalisierung die Entwicklungen in den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI), Antriebswende und Autonomes Fahren.

Dabei führte Benedikt Roßmann aus, dass die Transport- und Logistikbranche bereits stärker digitalisiert ist, als einigen bewusst sei. Durch die unterschiedlichen Anforderungen der Unternehmen komme dabei eine Vielzahl an Lösungen zum Einsatz. Einen Anbieter für alles gebe es aber nicht, so Benedikt Roßmann: „Multi-System-Landschaften dominieren die IT in der Transportbranche.“

Anhand von Anwendungsfällen stellte der Ansorge-Geschäftsführer die Vorteile KI-basierter Lösungen vor. Aber auch hier galt für ihn, einzelne KI-Anwendungen nach Bedarf zu integrieren: „Es gibt nicht den einen ‚Game-Changer Use-Case‘.“

Battery-Electric-Vehicle (BEV) bezeichnete Benedikt Roßmann als beste Antriebsart für eine Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs. Entwicklungschancen habe dabei noch das Autonome Fahren. Ganz ohne Fahrer werde es auch in Zukunft nicht gehen: „Autonomes Fahren ‚End-to-End‘ wird es auf absehbare Zeit nicht geben – einzelne Anwendungsfälle dagegen schon.“

Sein Fazit: „Wir sind auf dem Weg in eine digitale, KI-unterstützte Zukunft mit grünen BEV-Transporten in teilautonomen Anwendungen.“ Der Mensch und das menschliche Miteinander bleibt laut Benedikt Roßmann aber auch künftig ein wichtiger Faktor: „It‘s a people‘s business.“

Diskussionsrunde: Zukunftsvision Antriebstechniken
Einen besonderen Programmpunkt stellte die Diskussionsrunde unter der Fragestellung „Wie geht es weiter mit neuen und alten Antriebstechniken, Telematik und Navigation?“ dar. Philipp Endemann, Chief Operating Officer bei SPEDION, hatte fünf Gesprächspartner zu sich auf die Bühne gebeten: Heiko Augustin, der im Zuge der E-Mobilitätsprojekte bei der Prüstel Spedition innerhalb eines Jahres die Anzahl der Elektro-Lkw von fünf auf 15 erweitert hat. Alexander Hewel, Geschäftsführer der Keller Group, für einen Blick auf die Praxis von einer nachhaltigen Lieferkette bis zum Bau zukunftssicherer Logistikgebäude. Jürgen Neyses, bei Arla Foods einer der Treiber für Hydrotreated Vegetable Oil (HVO) mit sauberer Herkunft. Rainer Schmitt, “Pionier der E-Mobilität“ von der Walter Schmitt GmbH, der die Ladeinfrastruktur für die E-Lkw konsequent ausbaut. Und Benedikt Roßmann, der seit Jahren die Digitalisierung bei Ansorge Logistik gestaltet und im E-Lkw langfristig die richtige Lösung sieht.

Für eine nachhaltigen Zukunft: Der Weg über HVO zu Elektro
„Das Thema E-Mobilität ist nicht mehr wegzudenken“ brachte es Jürgen Neyses gleich zu Beginn auf den Punkt. Benedikt Roßmann gab dazu zu bedenken: „Da wir aber noch lange Fahrzeuge mit konventionellen Verbrennermotoren haben werden, müssen wir uns die Frage stellen: Wie bekomme ich diese dekarbonisiert“. Dabei könne „HVO nur die Zwischenlösung“ sein, betonte Heiko Augustin. Durch ein großes Defizit an verfügbarem Strom rund um ihren Firmensitz sei die Elektrifizierung für die Keller Group beim „Streben nach einer nachhaltigen Zukunft mit Umsicht“ jedoch „ein Projekt mit Marathon- und nicht mit Sprint-Charakter“, merkte Alexander Hewel an. Rainer Schmitt bezeichnete die Umrüstung auf Elektroantriebe aufgrund der Notwendigkeit von hohen Investitionen, Know-how, Software und Infrastruktur als „eine Gleichung mit vielen Variablen“. Gut durchdacht werde, wenn man sich auf diese Reise begibt, „E-Mobilität jedoch schneller als gedacht deutlich günstiger sein als der Diesel“, war er sich sicher.

Intelligentes Srom-Management: Kooperation bietet "Riesenpotenzial"
Alle waren sich einig, dass das „Strommanagement“ ganz entscheidend ist, zumal die Strominfrastruktur aktuell noch viele Probleme habe. Die Speicherung sei derzeit der „bessere Business Case“, meinte etwa Rainer Schmitt. Aus seiner Erfahrung warnte er vor der falschen Investition, pro Lkw auch in eine Ladesäule zu investieren, und empfahl sich von Experten beraten zu lassen, „wie ich eine Säule rund um die Uhr möglichst effizient nutzen kann“. Heiko Augustin rief zum „vernünftigen Stromeinkauf“ auf und animierte zu der Entscheidung, den Mut zu haben, in öffentlichen und in Partner-Netzwerken zu laden. Denn, so der Logistiker: „Je mehr Unternehmen investieren, desto mehr nimmt E-Mobilität auch Fahrt auf!“ Benedikt Roßmann betonte das „Riesenpotenzial“ beim Strukturaufbau für die E-Mobilität: „Heute ergibt sich eine neue Form der Zusammenarbeit, weil wir uns nicht notwendigerweise um die gleichen Transporte kabbeln, sondern Synergien schaffen und genossenschaftlich eine Zusammenarbeit eingehen können.“

Nachwuchs- und Mitarbeitersuche: E-Mobilität als Pluspunkt
Um nicht die Dispo mit noch mehr Aufgaben zu beschäftigen, müssten die Fahrer möglichst eigenständig sein, waren sich alle einig. Da die Ladekosten vielen Fahrern jedoch egal seien, müssten sie aus wirtschaftlichen Gründen doch aus der Dispo gelenkt werden, beispielsweise über eine „Roadmap mit Ladestellen“. Statt der bisherigen Abhängigkeit von wenigen Kraftstofflieferanten sei der Vorteil heute die Option, „das Laden selbst in die Hand zu kriegen“.
Die Bereitstellung moderner E-Fahrzeuge sei nicht irrelevant für die Rekrutierung von neuem Fahrpersonal und mache den Beruf eventuell attraktiv für junge Menschen. Kritische Stimmen gab es zu Hemmnissen wie mangelnde Achslasten, Zulassung von Auflieger-Kombinationen oder Vorgaben für Gefahrguttransporte wie auch mangelnde Schnittstellen und damit verbunden eine bisher mangelhafte Datenqualität. Aktuell sei man mit dem Umstieg auf Elektro „noch blind“. Philipp Endemann betonte, dass SPEDION bereits vorbereitet ist, auch für E-Lkw alle relevanten Daten zur Verfügung zu stellen, sofern sie von den Herstellern bereitgestellt werden.

Planung mit Weitsicht: Zeitplan für Elektrifizierung gut durchdenken
Das Resümee von Rainer Schmitt: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“. Alexander Hewel bestätigte: „Wie überall: Die Schnellen fressen die Langsamen“. Publikumsgast Michael Roth von der auf Transporte von flüssigen Gütern spezialisierten Spedition Rinnen zog ein eigenes Fazit: „Man muss die Frage branchenspezifisch betrachten, um sagen zu können, ist die E-Mobilität die richtige Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt oder vielleichte erst in zwei, drei Jahren. Ich glaube, für die chemische Industrie sprechen zu können: Aus unserer Sicht wird es noch etwas dauern: Aber um so wichtiger ist es, dass wir uns schon jetzt mit dem Thema beschäftigen. Von daher ganz vielen Dank für die sehr, sehr interessanten Vorträge.“

Dieses Lob, das Moderator Philipp Endemann als Schlusswort stehen ließ, bestätigte das SPEDION Orga-Team in der Entscheidung, bei der Planung eines künftigen SPEDION Praxis Forum, wieder zu einer Diskussion auf der Bühne einladen zu wollen. Wir freuen uns schon jetzt darauf!